Dienstag, 1. Februar 2005

Die Kunst ein Label zu gründen

Ein Buchtipp oder auch nicht ;-((

Das Buch möchte einen Querschnitt durch die Musikindustrie zur unabhängigen Positionierung eines Unternehmens bieten - einschließlich der wichtigen Faktoren wie Produktion, Vermarktung und Vertrieb von Tonträgern. Neben recht allgemeinen Erklärungen der Branchenmechanismen und Strukturen wird im Buch konkret ein Modell für ein eigenes Label vorgestellt.

"Novum Records" ist dabei das Label, um den sich das Buch dreht. Der erste Teil des Buches stellt dazu auf den ersten 100 Seiten zunächst die Bühne der gestrigen und heutigen Musikwirtschaft vor - leider nicht die Geschäftsmöglichkeiten der Zukunft. Themen wie Klingeltöne, Downloads, Merchandising oder Sponsoring kommen im gesamten Buch nicht vor. Somit wirkt das erst im August 2004 erschienene Werk erschreckend alt. Dabei sollte dieses Buch "praxisorientiert" aufzeigen, wie ein Musiklabel unter heutigen Bedingungen erfolgreich gegründet und betrieben werden kann.

Die beiden Autoren, Juliane Josepha Riedel und Daniel Paul Schreiter, schrieben "Novum Records - Von der Kunst, ein eigenes Label zu gründen" ursprünglich als gemeinsame Diplomarbeit an der Hochschule Mittweida. Ein Jahr nach der Verteidigung kam es zur Veröffentlichung der Arbeit der beiden Diplom-Medienwirte in Buchform, initiiert durch Thorsten Kucklick vom Verlag Academic Transfer. Im Rahmen der Diplomarbeit analysierte das Autorenduo trefflich die Spielregeln der Musikindustrie und setzen diese in der Struktur eines Businessplans praktisch um. Das Buch sollte dabei für jeden Profi- und Hobbymusiker verständlich sein und DJs wie Rockern rechtliche, wirtschaftliche, technische und vermarktungsbedingte Anleitungen zur Etablierung eines eigenen Labels bieten. Während die wissenschaftliche, fundierte und breite Analyse gut gelungen ist, und auch die allgemeine Verständlichkeit der Arbeit sehr gut ist, sind die Ausführungen, die letztlich zur Gründung eines eigenen Labels führen sollen, eher dürftig.

"Ob Sony BMG, Warner, Universal oder EMI: Die vier dominanten Majorkonzerne im deutschen Musikbusiness beschränken sich immer stärker auf internationale Mainstream-Produktionen und vernachlässigen dabei den Aufbau von Nachwuchskünstlern und Nischenproduktionen. Kurzum: Die aktuelle Marktsituation verlangt nach Änderung und Umschwung in den Strukturen der Großen, bietet aber auch gewaltige Chancen für Independent Labels."

Leider ist es mit den wichtigstens Informationen und gutem Willen alleine eben noch nicht geschafft. Zwar erfährt der potentielle Labelgründer die wesentlichen "Facts" des Business - von GEMA und GVL bis hin zur Künstlersozialkasse (KSK), von IHK-Businessplänen bis hin zur Markenanmeldung beim Patentamt (DPMA) - alles vorhanden -- das läßt sich mit geringem Aufwand jedoch auch im Internet finden. Nicht zuletzt gerade hier sahen die Autoren zusätzlichen Bedarf, da Ihnen aufgefallen war, daß Fragen zur Labelgründung in zahlreichen Foren oftmals nicht oder nur oberflächlich beantwortet werden konnten. Eine Wissensnachfrage besteht auf diesem Gebiet also durchaus, zumal ein Trend weg von den großen Industriekonzernen und hin zu den kleineren (und feineren) Indepedent-Labels unübersehbar ist. Aber der Gegenwert für die knapp 40 Euro für das Buch enttäuschen dann, zumal die Hilfestellung beim Businessplan eher mager ausfällt und das wichtigste Element - nämlich die Finanzierung - im Buch nicht auftauchen, obwohl es das Inhaltsverzeichnis auf der offiziellen Website als auch der Bucheinband nach wie vor versprechen. Bedenklich, wenn man weiß, daß die meisten Neugründungen wegen mangelnder Liquidität scheitern. Visionen für zukünftige tragfähige Geschäftsmodelle sind den Autoren zudem weitgehend fremd, so daß man den Erfolg des im Buch vorgestellten Labels "Novum Records" zurecht bezweifeln kann. Also sicher nicht das beste Beispiel für Existenzgründer in der Medien- und Entertainmentbranche.

Die in der Erstauflage störenden Fehldrucke sind mittlerweile behoben - sämtliche im Handel erwerbbaren Ausgaben sind weitgehend fehlerfrei, obwohl auch hier nach wie vor, irritierende Seitennummerierungen, mangels Grautönen schlecht lesbare Diagramme und teilweise schwaches Schriftbild an der Produkt- qualität und dem Preis-/Leistungsverhältnis zweifeln lassen.

Fazit: Gut gemeint, aber letztlich auch aufgrund des Preises nicht empfehlenswert. Es hätte ein neues Standard-Handbuch für Neulinge in dieser Branche werden können, ein Kompendium zum Nachschlagen mit umfassenden Informationen um und über die Branche. Die Konzentration auf die Geschäftsmodelle der Vergangenheit mit ihrer ausschließlichen Fokussierung auf Tonträgerproduktion, -vermarktung und -vertrieb würde jeder Label-Neugründung - sofern sie auf wirtschaftlich tragbaren Füßen stehen soll - das Todesurteil garantieren. Vor 10-15 Jahren hätte dieses Werk ein Standard werden können - heute, wo neue Geschäftsmöglichkeiten locken, neue Märkte entstehen und nahezu jeder selbst das Internet nutzen kann und somit viele der Informationen leicht selbst recherchieren kann, ist es schlichtweg überflüssig. Schade eigentlich! Tragisch dabei ist insbesondere, daß im zweiten Teil der elementarste Abschnitt für Businesspläne komplett fehlt: die Finanzierung.

Quelle: housepool

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